Qeridoo QX Einrad-Anhänger – Erfahrungsbericht

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Seit rund drei Jahren sind wir mit einem soften zweispurigen Burley-Kinderanhänger (d’lite) unterwegs. Um fürs gelegentliche Picknick die Lasten fair verteilen zu können und im Alltag auch ab und an einen Einkauf mit dem Fahrrad transportieren zu können, sollte ein Einradanhänger der Fuhrpark ergänzen. Der einspurige Hänger gilt als wendiger und weil das Rad des Hängers der Spur der Zugmaschine folgt, ist die Suche der Ideallinie einfacher. Da das Zugfahrzeug (ein altes schwarzes MTB aus Tange Ultimate Ultrastrong) oft draußen übernachtet, sollte der Hänger um die einhundert Euro liegen. Der Hänger wird beinahe täglich eingesetzt werden, rund 15 Kilometer pro Tag mit kleiner Last (ca. 12kg) und gelegentliche Einkäufe (ca. 25kg) muss er daher über einen längeren Zeitraum problemlos wegstecken können.

Qeridoo QX mit Einkauf

Zwölf Flaschen Sprudel, Bier, Milch, Obst und Gemüse – macht knapp 25kg Zuladung, die der Qeridoo QX noch passabel wegsteckt

Nach der Sichtung der Angebote bei Amazon und lokalen Händlern fiel meine Wahl auf den Qeridoo QX. Er orientiert sich am Konzept des Bob Yak, ist aber deutlich einfacher verarbeitet und kostet inclusive passender Tasche nur etwa ein Viertel des Originals – mit 90 bis 110 Euro ist man beim Qeridoo QX dabei. Ähnlich aufgebaute Hänger ebenfalls chinesischer Provenienz sind ohne Tasche und mit Stahlrad bereits für 50 Euro zu haben. Die Konstruktion mit dem teilweise geschraubten Rahmen, der sich einfacher schweißen lässt als die Raumkonstruktion des Bob Yak scheint sich bei chinesischen Rahmenbauern herumgesprochen zu haben.

Der Zusammenbau

Ausgeliefert wird der Qeridoo QX in einem weniger als 15cm flachen Karton. Zum Zusammenbau benötigt man einen Satz Inbusschlüssel, einen mittleren Kreuzschlitzschraubendreher und Gabel- oder Ringschlüssel der Größen 8 und 10 Millimeter – theoretisch. In der Praxis fiel sofort die sehr laxe Verarbeitung auf: Die Aufnahme einer senkrechten Strebe musste mit der Feile von Schweißschlacke befreit und anschließend etwas nachlackiert werden. Die Konuslager der Nabe war viel zu fest eingestellt. Glücklicherweise war so stark gekontert, dass zur Korrektur zwei 17er-Schlüssel genügten (auf flache 14er- und 15er-Nabenschlüssel konnte ich verzichten). Auch hatte das Rad einen leichten Höhenschlag (der mit weniger als zwei Millimeter in der Toleranz liegt) und ungleiche Speichenspannung. Regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls Nachspannen während der ersten paar Hundert Kilometer mit Ladung ist also nötig. Für die Montage des Schutzbleches liegen keine Federscheiben bei, daher ist es dringend angeraten, mit zwei selbstsichernden Muttern (M5) zu kontern.

Qeridoo QX Detail Hinterrad

Grüße aus den frühen 1980ern: lautes BMX-Profil, zu eng eingestellte Nabe, Ausfallenden mit kurzem Gewinde – Schrauben der Schutzbleche bitte kontern!

Die Erstfahrt

Bei der unbeladenen Erstfahrt fiel auf, wie wendig das gesamte Gespann ist. Der Anhänger lehnt sich mit in Kurven, im Gegensatz zum zweirädrigen Anhänger, der “nur dranhängt” sind Anhänger und Zugfahrrad ein gekoppeltes System. Ich habe dann zunächst mit rund zehn Kilogramm beladen. Bei dieser Beladung stört der Anhänger kaum, lediglich Wiegetritt ist schwerer. Komplett neu geübt werden müssen das Abstellen des beladenen Gespanns, das halbwegs gerade Anfahren und das Rangieren: Mit beladenem Hänger kippt das Gesamtsystem gerne einmal. Wer mehr als die rund hundert Euro des Qeridoo für einen Einradanhänger ausgeben möchte, sollte daher zunächst bei einer langen Probefahrt mit einem Leihhänger testen, ob ihm das Fahrverhalten des Gesamtsystems zusagt oder vielleicht doch ein zweispuriger Hänger das Richtige ist.

Im vollbeladenen Einsatz

Meine bisherige maximale Nutzlast waren knapp 30kg. Dies liegt deutlich unterhalb des vom Hersteller angegebenen Limits von 40kg, sorgt aber bereits für ein Fahrverhalten, das viel Aufmerksamkeit erfordert – auch weil der Qeridoo gelegentlich anfängt, sich aufzuschaukeln. Der Transport des Wocheneinkaufs über wenige Kilometer ebene asphaltierte Strecke stellt kein Problem dar, eine längere Tour mit vielen Höhenmetern und mehr als 30kg Gepäck möchte ich mit diesem Hänger nicht durchführen. Es mag sein, dass das Limit beim Original oder einem Eigenbau vom örtlichen Rahmenbauer ein wenig höher liegt, prinzipbedingt dürften die bis zu 60kg Zuladung zweispuriger Hänger von einspurigen nicht erreicht werden.

Vorläufiges Fazit

Bislang würde ich dem Qeridoo drei Sternchen von fünf möglichen geben. Bezieht man bei meinem derzeitigen Nutzungsprofil – auf das der Qeridoo passt – das günstige Preis-Leistungsverhältnis ein, wären auch knapp vier Sternchen gerechtfertigt. Eine Änderung, die ich demnächst noch vornehmen werde, ist der Austausch des billigen und lauten Reifen mit 1980er-BMX-Profil gegen einen Schwalbe Big Apple, dessen Reflektorstreifen auch den Plastikreflektor überflüssig machen wird. Nun hoffe ich, dass der Qeridoo nicht geklaut wird und die für diesen Sommer erwarteten rund 1000km im Hängerbetrieb gut wegsteckt.

Kaufen, wenn…

  • …die Grenze des Budgets bei rund 100 Euro liegt
  • …die typische Zuladung weniger als 20kg beträgt
  • …genug Zeit und technischer Sachverstand da sind, die vielen Nachlässigkeiten der Vormontage auszugleichen
  • …einem das Fahrverhalten von Einspur-Anhängern zusagt, oder man dies ohne große Verluste herausfinden möchte

Nicht kaufen, wenn…

  • …Geld keine Rolle spielt, dann sollte es der Bob Yak werden
  • …das perfekte Produkt “out of the box” gesucht wird – Nacharbeit ist leider nötig
  • …häufig große Lasten transportiert werden (mehr als zwei Bierkisten steckt der Einspur-Hänger nicht weg)

Das Produkt – und sinnvolles Zubehör

Die (meist teureren) Alternativen